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Stadtwappen

Zur Entstehung des Stadtwappens

In der heute üblichen Form ist das Stadtwappen durch die Vereinigung von Altstadt und Neustadt am 13. Dezember 1713 entstanden. Für den Betrachter auf der linken Seite (der Wappenkundler beschreibt Wappen aus der Sicht des Schildhalters, heraldisch wäre es also die rechte Seite, die zudem in der Wappenkunde als die „vornehmere" Seite gilt) befindet sich das Wappen der Altstadt, auf der anderen Seite das Wappen der Neustadt.

Die Wappen beider Städte sind in ihrer Grundform (Adler, Schlüssel, für die Neustadt zusätzlich Kübelhelme auf den Flügelspitzen des Adlers) bereits im Jahrhundert der Stadtgründung (im 13. Jahrhundert) in städtischen Siegeln überliefert. Das Wappen der Altstadt veränderte sich im laufe der Zeit vom ganzen Adler, der einen Schlüssel in seinen Fängen hält, zu einem halben Adler, neben dem aufrecht ein Schlüssel steht, während das Wappen der Neustadt später noch einen zweiten Schlüssel und den sechszackigen Stern erhielt. Diese Veränderungen zeigen sich aber schon in Siegeln des frühen 14. Jahrhunderts und lassen sich zeitlich nicht genau festlegen.

Hinsichtlich der Deutung des Wappens gelten nur zwei Elemente als relativ sicher: der rote Adler in beiden Wappen versinnbildlicht die Zugehörigkeit zur Mark Brandenburg, die Kübelhelme im Wappen der Neustadt stehen vermutlich als Symbole für die beiden Markgrafen Johann 1. und Otto III., die 1247 die Gründung der Neustadt bestätigten. Der Schlüssel ist das eigentliche unterscheidende Merkmal zu den Wappen der anderen altmärkischen Städte; was er bedeutet, warum· die Neustadt in späteren Siegeln zwei Schlüssel und einen sechszackigen Stern führt, sind Fragen, die sich aus den Quellen nicht klären lassen.


Steffen Langusch,
Stadtarchiv Salzwedel

Stadtwappen - Aus dem Salzwedeler Wochenblatt Teil 1

"Salzwedeler Wochenblatt", Nr. 49, Sonnabend, 2.11.1833, S. 386-388:

Die Wappen in dem Sinne, wie wir das Wort heutigen Tages nehmen, sind deutschen Ursprungs und stammen aus den Zeiten der Turniere und der Kreuzzüge her. Zwar herrschte schon lange vorher die Sitte, die Schilde und Fahnen mit Figuren zu versehen, und selbst im Alten Testamente (4. Buch Moses 1, 52 und Kap. 2 an mehreren Stellen) scheinen sie schon vorzukommen; ebenso hatten die Griechen, Römer und die alten Germanen allerlei Figuren auf ihren Schilden: aber alles war noch willkürlich und noch keinem bestimmten Gesetze unterworfen. In den, ursprünglich deutschen, Turnierspielen im 10. Jahrhundert kam zuerst die Sitte auf, den Helm mit seinen Zierraten zu einem wesentlichen Wappenstück zu machen; die Bekanntschaft der deutschen Ritter mit dem Morgenlande durch die Kreuzzüge vermehrte die Verzierungen an den Helmen und Schilden sehr und da zu gleicher Zeit die Zunamen der Adeligen aufkamen, so wählte sich eine jede höhere adelige Familie ein bestimmtes Schildwappen. Von den Deutschen nahmen die Franzosen dieses Wappenwesen an und von diesen gelangte es zu den Engländern. Auch von den fürstlichen Wappen läßt sich beweisen, daß sie nicht über die angegebene Zeit hinausreichen.

Dem Beispiel der Fürsten und Adeligen folgten bald die Städte und, so wie Fürsten und Adelige ihre Wappen auch in ihr Siegel setzen, so auch die Städte. Was nun das Wappen der Stadt Salzwedel betrifft, so ist mit demselben mehr als eine Veränderung vorgegangen. Nirgends aber ist, so viel wir wissen, etwas Vollständiges darüber zu lesen, so daß es nicht unzweckmäßig erscheinen dürfte, das, was sich historisch nachweisen läßt, einmal zusammenzustellen.

Salzwedel bestand bekanntlich bis 1713 aus zwei in jeder Hinsicht voneinander unabhängigen Städten und jede hatte auch ihr eigenes Wappen und Siegel.

Das älteste uns bekannte Siegel der Altstadt befindet sich an einer Urkunde von 1320 in dem hiesigen Stadtarchiv und besteht aus grünem Wachs, dem einzigen von dieser Farbe, während alle übrigen bis ins 16. Jahrhundert aus gelbem Wachse bestehen. Der Stempel zu diesem im 14. bis 16. Jahrhundert gebräuchlichen Siegel findet sich noch auf dem Rathause, wohl erhalten, aus Messing. Das Siegel selbst, das auf der anliegenden Steintafel unter Figur 1 genau nach dem Original in natürlicher Größe gezeichnet ist, hat eine kreisrunde Form.;

das Wappen besteht aus einem Adler, dessen ausgebreitete Flügel mit einem Stock durchstochen sind, etwa so, wie man einen Raubvogel wohl an die Torflügel mit Stöcken durch oder gegen die Flügel anzunageln pflegt. So wenigstens erklärt der Minister von Hertzberg in seiner Abhandlung von den alten Siegeln der Markgrafen von Brandenburg die ähnliche Flügelform in dem Brandenburgischen Landeswappen, in welchem die angeführte Ähnlichkeit noch nicht so auffallend wie in unseren Stadtwappen ist, woran die oberen Teile der Federn noch über diesem Querbande hervorragen. Die Spitze eines jeden Flügels geht in einen fast kreisförmigen, erhöhten Buckel aus, der mit einem Kleeblatt verziert ist. Dieses Kleeblatt ist nur auf sehr wenig vorhandenen Siegeln an den Urkunden und auch da sehr undeutlich zu erkennen, es ist überall fast ganz abgerieben und nur mittels des noch vorhandenen Originalstempels zu entdecken. Auch Gercken kannte dieses Kleeblatt nicht, weil er das Petschaft nicht kannte und seine Zeichnung zum 3. Teil seiner „Fragmenta Marchica" nach einem Siegel fertigen ließ. Um dieses Kleeblatt gehörig hervortreten zu lassen, ist der Buckel, auf dem dasselbe sich findet, ohne Schattierung geblieben.

Durch diesen Buckel vorzüglich unterscheidet sich der altstädtische Adler wesentlich von dem Landeswappen, dessen Flügelenden in einen runden Haken mit einer Öffnung inwendig auslaufen, durch den ganzen Flügel zieht sich überdies noch ein Kleestengel. Zu den Füßen des Altstädter Adlers liegt ein Schlüssel, dessen Ring ein Rhombus mit stumpf vorspringenden Winkelspitzen bildet. Die Umschrift heißt: Sigi//' antique civitatis Saltwede/e. Die Schreibart Saftwedel hatte daher schon im 14. Jahrhundert einen Vorzug vor der Schreibart Soltwedeloder vielmehr, die erste Schreibart ist älter als die letzte, denn auch in Helmold ist der Name mit a geschrieben. Die letzten Buchstaben der Umschrift sind nicht etwa vom Lithographen verkleinert, sondern finden sich in dem Petschaft ebenso, der Graveur hat sich mit dem Raum nicht gehörig vorgesehen.

Das Wappen der Neustadt (s. Fig. 2) unterscheidet sich von dem der Altstadt durch folgende zum Teil wesentliche Stücke. Die Querstöcker über den Flügeln sind unverziert; die Flügelspitze ist mit einem geschlossenen Helm, worauf ein großer Busch befindlich ist, verziert; auf der rechten Seite, wohin der Adler den Kopf gerichtet hat, befindet sich zwischen Hals und Helm ein sechsspitziger Stern; endlich liegen zu seinen Füßen zwei Schlüssel, deren Bart und Ring auch in etwas von denen auf dem Siegel der Altstadt abweichen. Die Umschrift heißt: Sigillum nove civitatis Saltwedil, wo das i in der letzten Silbe zu merken ist. Übrigens ist der Ausdruck dieses Neustädter Siegels viel schärfer als das des Altstädters. Der Grund liegt wahrscheinlich darin, daß dieses weit öfter als jendes gebraucht ward, indem unter den Hunderten von noch vorhandenen Urkunden nur einzelne sich vorfinden, an denen das Neustädter Siegel hängt.

Sämtliche juridische Verhandlungen nämlich, mit Einschluß der Akte der freien Gerichtsbarkeit, wurden von dem Rat oder einem Ausschuß aus demselben (den Schöppen oder Schöffen) unter Vorsitz eines markgräflichen Beamten, der den Titel eines Vogtes führte, gepflogen und zwar so, daß die Räte beider Städte oder der aus denselben gebildete Ausschuß nur ein Kollegium bildete. Nur wenige Dokumente finden sich von dem Rat einer Stadt allein ausgestellt. Zu allen diesen Verhandlungen wurde stets das Siegel der Altstadt gewählt. Die Ratspersonen folgen in den Dokumenten so, daß erst die beiden dirigierenden Bürgermeister der Altstadt, dann die der Neustadt; hierauf die nicht dirigierenden
(ruhenden) Bürgermeister der Alt- und Neustadt; dann die Ratmänner abwechselnd, erst ein Altstädter, dann ein Neustädter, doch so aufeinander folgen, daß die einzelnen Ratmänner der einzelnen Städte unter sich nach der Anciennität geordnet sind. Nur wenige Ausnahmen von dieser Regel haben wir in den Urkunden des Ratsarchivs gefunden. Es gibt nämlich einzelne Urkunden im Archiv, in denen die Folge der Ratspersonen die umgekehrte der obigen ist, so daß die Mitglieder des Neustädter dem dem Altstädter Rats in derselben Weise, wie angegeben ist, vorstehen, ohne daß wir einen Grund aus dem Inhalt der Urkunden hätten entnehmen können. Wenn auch in diesem Falle jedesmal das Hauptobjekt der Urkunde dieser Art sich auf die Neustadt bezieht, so finden sich doch Urkunden in Menge vor, die ebenfalls nur von Angelegenheiten und Personen der Neustadt handeln, mit jenen von ganz ähnlichem Inhalt, in denen die Glieder des Altstädter Rats doch denen der Neustadt vorstehen. In diesen Urkunden, in denen die Neustädter Ratspersonen vorstehen, ist auch das Neustädter Siegel gewählt.

Stadtwappen - Aus dem Salzwedeler Wochenblatt Teil 2

,,Salzwedeler Wochenblatt", Nr. 50, Sonnabend, 9.11.1833, S. 396-399:

(Fortsetzung)

Außer diesen beiden beschriebenen findet sich noch ein anderes Siegel aus dieser Periode, von denen aber nur ein einziges vorhanden ist, ein eigentliches Bürgersiegel. Es unterscheidet sich von dem Altstädter nur sehr wenig. Zuvörderst ist es größer; der Stock durch die Flügel des Adlers ist einfacher und mehr gekrümmt; die buckelförmige Erhöhung auf der Spitze der Flügel ist größer und bildet mehr eine Ellipse, während er dort kreisförmig ist; die Oberfläche dieses Buckels ist regelmäßig verziert, während sie bei dem Altstädter nur ein einfaches Kleeblatt enthält. Aus der Umschrift: S. Burgensium civitatis Saltwede/e geht hervor, daß es für beide Städte gültig war. Ein solches Bürgersiegel hatte in jener Zeit des Mittelalters jede lmmediatstadt und es finden sich im hiesigen Archiv mehrere aus verschiedenen Städten der Altmark, des Lüneburgischen und aus anderen Städten vor, die sämtlich das Wappen ihrer Stadt, aber immer mit kleinen Modifikationen, haben und allemal etwas größer sind als das eigentliche Ratssiegel.

Dieses Bürgersiegel ward an solche Urkunden gehängt, die von der Bürgerschaft als solcher, ohne daß der Rat als solcher zugezogen ward, ausgestellt sind. Die eingangs der Urkunde genannten Personen stimmen auch nicht mit den Namen der Ratspersonen desselben Jahres überein. Es muß daher neben dem Rat noch eine andere administrative Behörde um diese Zeit in den lmmediatstädten gegeben haben, worüber wir zwar Vermutungen, aber noch keine durch Dokumente belegte Gewißheit haben. Nur so viel steht fest, daß es nicht bloß Zunftkorporationen sind.

Die beiden Ratssiegel bestehen aus reinem gelben Wachs, haben auf der Rückseite 2 oder 3 Vertiefungen, in welche ein Mannsdaum paßt; das Bürgersiegel aber besteht aus einer Mischung von Mehl und Wachs, wie die markgräflichen und wie die meisten Siegel der Adeligen im hiesigen Archiv, nur mit dem Unterschiede, daß die adeligen Siegel, da, wo das Wappen eingedrückt ist, noch eine eigene meistens dunkelgrüne Wachsunterlage und daß diese einen stark vorstehenden Rand von der Grundmasse des Siegels haben, der bei den städtischen Siegeln überall fehlt.

Übrigens ist die Farbe des Wachses, in welches das Wappen eingedrückt ist, keine Nebensache. Aus mehreren Dokumenten erfahren wir, daß z. B. rotes Wachs nur die Fürsten gebrauchen durften und daß der Kaiser Maximilian im Jahr 1512 dem Grafen von Mansfeld eine sehr große Auszeichnung angedeihen ließ, als er ihm erlaubte, sich „Wohlgeboren" schreiben und mit rotem Wachs siegeln zu dürfen. So ward auch der Stadt Costnitz (alter Name von Konstanz am Bodensee) um 1415, während des Konzils daselbst, vom Kaiser Sigismund die Auszeichnung zuteil, mit rotem Wachs siegeln zu dürfen. Eine ähnliche Begnadigung widerfuhr der Stadt Stendal durch Kurfürst Joachim 1513, worüber die Urkunde sich noch vorfindet.

Unser Salzwedel hat zwar kein Dokumentdarüber aufzuweisen, aber aus dem Umstande, daß von 1504 an die Siegel, mit einer unten näher angegebenen Beschränkung, in rotem Wachs sich finden, folgt, daß auch Salzwedel, schon früher als Stendal, dieses Vorrecht, mit rotem Wachs siegeln zu dürfen, erhalten hat. Das älteste noch vorhandene Siegel der Art von der Altstadt hängt an einer Urkunde von 1504, das Neustädter Siegel in rotem Wachs kommt erst bei 1560 vor. Ob die Neustadt dieses Vorrecht später als die Altstadt erhalten oder sich nur aus früherer Zeit keine dergleichen erhalten haben, ist ungewiß, wahrscheinlich ist das erste der Fall. Unter der sehr großen Menge adeliger Siegel im Archiv befindet sich kein einziges in rotem Wachs. Salzwedel muß diese wahrscheinlich von Kurfürst Joachim um 1500 ihm erteilte Erlaubnis, mit rotem Wachs siegeln zu dürfen, für wichtig genug gehalten haben, da um diese Zeit mit den Siegeln eine große Veränderung vorging. Beide Städte ließen nämlich neue Petschafte stechen und die Altstadt änderte ihr Wappen, auch blieb die Art des Siegelns nicht mehr die alte. Die um diese Zeit zum Vorschein kommenden Siegel der Altstadt sind auch beträchtlich kleiner, das Wappen selbst steht auf einem Schilde, welches einen mit der Basis nach oben gekehrten gleichschenkligen Triangel mit gekrümmten Schenkeln bildet; der Schlüssel liegt nicht mehr horizontal zu den Füßen des Adlers, sondern steht vertikal neben demselben zur linken Seite, dem Adler selbst fehlen der linke Flügel und der Fuß. Die Umschrift lautet: Seereturn antique civitatis Saftwedel, der Bukkel von der Flügelspitze ist verschwunden, an dessen Stelle sich eine andere, undeutliche Verzierung, vielleicht ein Kleeblatt, findet. Das der Neustadt ist, Größe und Umschrift abgerechnet, völlig unverändert geblieben, das besondere Wappenschild der Altstadt fehlt, überhaupt ist das Siegel viel roher und steifer, als das der Altstadt. Die Umschrift lautet: S. nove civitatis Saftwedel.

Beide Siegel weichen von den früheren auch darin ab, daß die Grundlage gelbes Wachs ist und nur da, wo das Wappen eingedrückt ist, sich eine dünne Lage roten Wachses befindet; ferner, daß das Wachs am Rande beträchtlich vorsteht; endlich fehlen auf der Rückseite die Eindrücke. Bald nachher finden sich diese Siegel stets in hölzernen Kapseln mit einem hölzernen Deckel. Diese Sitte, die Siegel in kreisrunde hölzerne Kapseln anzubringen, scheint gegen das Ende des 16. Jahrhunderts überall herrschend geworden zu sein; zuweilen kommen auch blecherne Kapseln vor.

Doch kam das frühere größere Siegel nicht ganz aus dem Gebrauche, vielmehr finden sich neben diesem neuen auch noch Urkunden mit dem älteren; zum letzten Mal erscheint das frühere große Altstädter Siegel an 2 Urkunden aus dem Jahre 1560. Bei allen diesen fehlt aber immer das rote Wachs; sie sind sämtlich wie die früheren aus reinem gelben Wachs. Alle bisher beschriebenen Siegel finden sich nur an den Dokumenten, welche auf Pergament geschrieben sind. Mit dem Anfange des 16. Jahrhunderts aber kommen die Urkunden auf Papier schon häufiger als früher vor; die Siegel sind dann auf dem Papier befindlich, indem über einer dünnen Wachsplatte ungefähr von der Größe des Petschafts ein Papier gelegt ist, worin dann das Wappen eingedruckt ist, so wie man sich jetzt auch der Oblaten bedient.

Mit der Mitte des 16. Jahrhunderts wird diese Art zu siegeln ganz allgemein und seit dieser Zeit kommt auch in Salzwedel ein bedeutend verkleinertes Petschaft vor. Es ist 9 Linien hoch und 7 Linien breit. Die Wappen sind ganz geblieben, die Schilder - denn auch das Neustädter steht jetzt auf einem Schilde - sind ausgebogen, statt der Umschrift stehen bei dem Altstädter über dem Schilde die Buchstaben 0. S. S. (Old Stadt Soltwedel); bei dem Neustädter
eben so N. S. S. Da die Abänderung außerwesentlich ist, so haben wir eine Zeichnung davon entwerfen zu lassen für unnötig gehalten.

So blieb es bis zur Kombination des Rats 1713. Von da an ward das Schild der Länge nachgeteilt und in das Feld rechts das Altstädter, links das Neustädter Wappen gestellt. Es enthält das Datum der Vereinigung des Rats, den 13. Dez. 1713, ist jetzt noch häufig im Gebrauch, so daß es keiner näheren Beschreibung bedarf. Das sogenannte Expeditionssiegel unterscheidet sich vom vorigen darin, daß die Umschrift fehlt und nur die Worte Exped. Siege/enthält. Der neueste jetzt gewöhnlich im Gebrauch sich befindende Stempel ist ebenfalls nur in der Umschrift verschieden.

Ohne Grund ist man aber seit der Kombination des Rats von der eigentlichen Form des Wappens abgegangen und hat Änderungen damit vorgenommen, die ihren Grund wohl in der Laune des Stechers haben. Folgende Fehler finden sich bei den neuen Petschaften:

1) Am Altstädter Adler hat man inkonsequenterweise den Kopf ganz gelassen, den Leib und den Schwanz geteilt, während ihm nur der linke Flügel und der linke Fuß fehlen sollten.
2) Hat man demselben in dem neuesten Stempel zwischen Kopf und rechtem Flügel noch einen Stern gegeben, der bei dem Altstädter Adler nie vorher vorkommt.
3) Bart und Ring des Schlüssels sind geändert sowie die Haltung des Flügels und des Fußes vom Adler.

Wesentlicher noch sind die Abweichungen der linken Seite oder des Neustädter Wappens, denn:

4) Der Kopf des Adlers ist nach links gerichtet, er sollte rechts schauen.
5) Die Helme auf den Flügeln sind modernisiert, ruhen nicht auf den Flügelspitzen, sondern
schweben frei, gleich als wollte der Adler sich dieses antiken Schmuckes entledigen.
6) Der sechseckige Stern, welcher zwischen Hals und linkem Flügel steht, sollte auf der entgegengesetzten Seite angebracht sein.
7) Die beiden Schlüssel liegen zu isoliert da und sollten mit dem Adler und unter sich in unmittelbarer Verbindung stehen.
8) Die Ringe der Schlüssel liegen links statt rechts.

Es ist zu bedauern, daß man durch diese willkürlichen Abänderungen von der ursprünglichen Form des Wappens abgewichen ist. Man sollte zu dieser wieder zurückkehren.

Stadtwappen - Aus dem Salzwedeler Wochenblatt Teil 3

,,Salzwedeler Wochenblatt", Nr. 51, Sonnabend, 16.11.1833, S. 402/403:

(Fortsetzung)

Während das Kleeblatt, das sich auf den ältesten Siegeln der Altstadt bis 1550 hin findet, nachher gänzlich verschwindet, erscheint in einigen späteren Malereien der Neustädter Adler mit einem Kleestengel, der auf der Innenseite eines jeden Flügels angebracht ist, der Stengel kommt aus dem Körper des Adlers und das Blatt ist nahe der Spitze des Flügels.

Zwei Denkmäler sind es besonders, auf denen dieses Attribut des Adlers hervortritt: 1) ein sehr alter, auf dem Rathause befindlicher Tisch, der früher wahrscheinlich zu einem Sessionstisch gedient hat, was aus der großen Sorgfalt hervorgeht, mit der er gearbeitet und ausgelegt ist. Er ist in den neuesten Zeiten erst aus dem schmählichen Dunkel, in dem er vielleicht ein Jahrhundert und länger hat verweilen müssen, weil er nicht mehr der Mode huldigte, hervorgezogen, so viel als möglich restauriert und wieder zu Ehren gekommen, indem an ihm der gegenwärtige Magistrat seine Sitzungen hält.

Auf der Mitte der Platte ist der Neustädter Adler angebracht, wie er sonst in den Siegeln sich findet, in ausgelegter Arbeit und mit dem eben bezeichneten Kleestengel versehen. Der Tisch ist übrigens aus dem Jahre 1567, vielleicht der älteste in der Stadt, und daher ver dient es lobend bemerkt zu werden, daß er wieder zu Ehren gebracht ist. Ganz unwichtig ist dieser Kleestengel in diesem Wappen nicht, da der Tisch sicherlich unter den Auspizien des Rats der Neustadt gefertigt ist. Dann erscheint dieser Kleestengel in einer farbig gemalten Glasscheibe, die von einem Freunde alles Altertümlichen in der Stadt mit Sorgfalt verwahrt wird, auf der der Kleestengel ebenso wie auf dem Rathaustisch gestaltet ist. Dagegen fehlt er überall an den Adlern, die in den Stadtsiegeln, am Neustädter Rathause in Stein gehauen (schlechte Arbeit) und über dem Eingang zum Neustädter Ratsturm (sehr geschmackvoll) und anderwärts vorkommen.

Uns scheinen jene beiden Beweise für das Dasein eines Kleestengels im Neustädter Wappen nicht hinreichend genug, um denselben für ein wesentliches Stück desselben halten zu können. Was endlich die Tinktur des Wappens betrifft, so läßt sich darüber nichts Bestimmtes angeben. Da die ältesten Siegel bis ins 16. Jahrhundert hin keine Schilde haben, so kann von der Tinktur des Schildes auch für die ältere Zeit keine Rede sein. Im 16. und 17. Jahrhundert
kommen zwar schon Schilde vor, aber ohne Tinktur. Man kann daher sagen: das Schild war entweder ohne Tinktur oder dieselbe war Silber. Das letztere hat etwas für sich, insofern der Adler der askanischen Markgrafen der allgemeinen Annahme nach in einem silbernen Felde steht. Aus der späteren Zeit findet man gefärbte Schilde.

Am Altstädter Rathause steht an einer Sonnenuhr das Altstädter Wappen in einem goldenen Felde. Aber dieses Wappen scheint nicht aus der Zeit herzurühren, in der das Rathaus gebaut ist (Anfang des 16. Jahrhunderts), sondern erst später angebracht zu sein. An der Orgel in der Marienkirche steht der Adler im blauen Felde, ebenso in einem Fenster der Hospitalkirche im Perver und an einem Kirchenstuhl in der Mönchskirche. Der Neustädter Adler kommt nur in der oben erwähnten Glasscheibe mit Angabe eines Feldes vor. Der Adler steht nämlich in einem punktierten Felde, das bekanntlich nach den Schraffierungen des Gelenu und Petro Santa Gold, nach der von Francquart aber blau bedeutet. Da aber die Punkte nur einzeln auf dem Grunde stehen, auch nicht fein genug sind, so kann es eben so gut Hermelin bedeuten, wenn es nicht überhaupt bloß eine vom Künstler ausgegangene Verzierung ist, um die Grundfarbe
des Glases doch in etwas bunt zu machen. Auch die Form der Schilder ist nicht gleichmäßig, wie die verschiedenen Arten auf der Steindrucktafel näher angeben.

Was die Tinktur des Adlers betrifft, so erscheint er an der Altstädter Orgel in Gold, am Altstädter Rathause in Schwarz, ebenso an einem Kirchenstuhl in der Marienkirche; an dem Ratsstuhl in der Mönchskirche und in einem Fenster der Hospitalkirche im Perver rot. Wenn man bedenkt, daß Salzwedel und alle Städte der Altmark ihr Wappen nach dem Vorbilde Markgraf Albrechts angenommen haben, der askanische Adler aber rot war, so ist für alle altmärkischen
Städte der rote Adler als der richtige anzunehmen. Dieser rote Adler liegt auch bei dem Preußischen Roten Adlerorden zum Grunde, während der schwarze Adler das eigentliche königliche (ostpreußische) Wappen ist. Diesen schwarzen Adler verlieh der König von Polen als Lehnsherr von Ostpreußen im Jahre 1525 den beiden brandenburgischen Prinzen Albrecht und Georg.

Schließlich sprechen wir unsere Überzeugung dahin aus, daß das Salzwedelsche Wappen ein roter Adler im silbernen Felde sei und sich von dem markgräflichen Wappen nur durch den Schlüssel unterschieden habe.

Johann Friedrich Danneil ( 1783-1868), Gynmasialrektor, Archäologe und Historiker.