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"Reicht wachsam sein noch aus?"
Am 27. Januar wird deutschlandweit an die Befreiung vom KZ Auschwitz erinnert. Dieser Tag dient gleichzeitig als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Auch in der Hansestadt Salzwedel gab es zwei Gedenkveranstaltungen sowie eine Ausstellungseröffnung zu diesem Thema.

Alexander Berberich (r.) sprach am Mahnmal an der Ritzer Brücke

Bürgermeister Olaf Meining am Gedenkstein an der Gardelegener Straße

Cathleen Hoffmann erinnerte daran, dass die Ausgrenzung aus der Gesellschaft erfolgte
In der Hansestadt Salzwedel finden traditionell zwei Gedenkveranstaltungen statt. Einmal an der Ritzer Brücke, an der in den letzten Kriegstagen 244 KZ Häftlinge qualvoll starben. Am dortigen Mahnmal organisiert DIE LINKE eine Gedenkstunde, bei der in diesem Jahr Alexander Berberich, Leiter des Danneil-Museums, aus Sicht des Historikers über die Vergangenheit berichtete. Dabei machte Berberich deutlich, dass es nicht ausreicht, zu gedenken. Man muss auch Schlüssel daraus ziehen, muss erkennen und handeln, bevor sich Hass und Ausgrenzung erneut verstärkt ausbreiten.
Eine Schlussfolgerung, die auch Bürgermeister Olaf Meining zog. Er trug das Gedicht des Engländers Simon Pearce, "Bei Hitlers brennt noch Licht", vor.
An der Gedenkstätte des KZ Außenlagers Neuengamme an der Gardelegener Straße fand die Gedenkstunde der Hansestadt Salzwedel statt. Auch dort wurden Blumengebinde und Kränze niedergelegt. Bürgermeister Olaf Meining erinnerte daran, dass das Gedenken viele Jahre mit "Erinnern - Gedenken - Wachsam sein" überschrieben waren. "Wir erinnern an diese Menschen, wir gedenken ihrer", so der Bürgermeister. "Diese Menschen haben uns den Auftrag erteilt, dass wir wachsam sein müssen. Aber - reicht das wachsam sein noch aus?" fragte Meining in die Runde. Ein Satz der im vergangenen Jahr verstorbenen Überlebenden der Shoah, Margo Friedländer, gehe ihm nicht aus dem Kopf: "So hat es damals auch angefangen".
Cathleen Hoffmann erinnerte daran, dass die Ausgrenzung jüdischer Mitmenschen damals aus der Mitte der Gesellschaft heraus erfolgte, dass Boykotte gegen jüdische Geschäfte von den Bürgern mitgetragen wurden. Sie zählte zahlreiche einst bekannte und geachtete Kaufhäuser und Geschäfte auf, die damals aufgrund jüdischem Glaubens geschlossen wurden.
Am Rande der Gedenkveranstaltung konnten Interessierte Kopien der Eintragungen von Überlebenden des Außenlagers lesen, die diese bei einem Besuch in Salzwedel 1997 im Goldenen Buch hinterlassen hatten. Falk Kindermann sorgte mit jüdischen Liedern für die musikalische Untermalung.
Um 18 Uhr erfolgte dann noch die Ausstellungseröffnung im Foyer des Salzwedeler Rathauses. Diese steht unter dem Motto "Erinnern und Gedenken - Das KZ-Außenlager in Salzwedel". Die Ausstellung erinnert an die im Außenlager des KZ Neuengamme inhaftierten Frauen, ihre Lebensbedingungen, ihre Verfolgung und Befreiung im April 1945. Die Ausstellung ist dann während der Öffnungszeiten des Rathauses bis zum 27. Februar zu besichtigen.
Bei Hitlers brennt noch Licht
Es ist nie ganz erloschen, nur eine kurze, ruhige Zeit war’s Fenster fest verschlossen.
Nur ab und zu, ganz schüchtern fast, kaum hörbar, ein Gewisper…
Man nahm’s kaum wahr und dachte sich: „Was soll’s? Da ist noch Licht an.“
Bei Hitlers brennt noch Licht – Jetzt treten sie ans Fenster.
Jetzt sieht man sie, jetzt hört man sie …
das sind keine Gespenster.
Ganz stolz und lautstark steh’n sie da, entzünden und krakeelen.
Und ihre Drohung ist ganz klar: „Wir gehen wieder wählen!“
Bei Hitlers brennt noch Licht.
Vernunft wo bist Du? Wo?
Komm‘ raus und hilf … und schalt‘ es aus.
… sonst brennt es lichterloh.
Simon Pearce





