Erinnerungen an Opfer des NS-Regimes
Es war ein Besuch voller Emotionen: 35 Gäste aus Frankreich weilten am Mittwoch, 21. Oktober 2026, in der Hansestadt Salzwedel. Sie besuchten die Gedenkstätte an der Ritzer Brücke, die an die 244 Menschen erinnert, die im April 1945 elendig starben, als die Nationalsozialisten das Konzentrationslager Neuengamme räumen ließen. Der Besuch an diesem Ort hatte für die Mehrheit der französischen Besucher einen familiären Hintergrund: denn sie sind Nachkommen und Verwandte der dort gestorbenen Menschen.
Dr. Laurent Thiery hatte gemeinsam mit vielen weiteren Historikern und Forschern ein umfangreiches Werk über das Leben und (soweit bekannt) das Schicksal von insgesamt 9.000 französischen Häftlingen erstellt, die im KZ Mittelbau Dora inhaftiert waren. Einer dieser Personen war Jaques Oudin, ein in Frankreich recht bekanntes Mitglied der damaligen Résistance, dessen Schicksal lange unbekannt blieb. Dr. Thiery konnte ermitteln, dass Oudin im Alter von 24 Jahren unweit der Ritzer Brücke beim Transport verstarb. Ebenso wie zahlreiche andere Häftlinge verschiedener Nationalitäten, unter anderem auch Frankreich.
Am Mittwoch legten die Nachkommen und Verwandten sowie Bürger aus Salzwedel Blumen nieder, ein Kranz erinnerte stellvertretend für alle Opfer an Jaques Oudin. Bürgermeister Olaf Meining begrüßte die Besucher, erinnerte in seinem Grußwort an die gewachsene deutsch-französische Freundschaft und machte deutlich, dass diese Freundschaft und die demokratische Gesellschaft immer wieder aufs neue gelebt und auch unterstützt werden muss. Eine Aussage, die auch Charlotte-Véronique Marion, eine Cousine Jacques Oudin, unterstrich. Sie dankte stellvertretend für die Gruppe, dass ihnen ein so herzlicher Empfang in der Hansestadt bereitet wurde. Auch Julien Acquatella von der französischen Botschaft schloss sich diesem Dank an. Allen Redebeiträgen war die Sorge um die Demokratie anzumerken, alle forderten dazu auf, sich an die Vergangenheit zu erinnern um Lehren für die Zukunft ziehen zu können.
Nach einem gemütlichen Cafebesuch in Salzwedel fuhr die Reisegruppe dann weiter nach Isenschnibbe, um die dortige Gedenkstätte aufzusuchen. Sie fuhren nicht ohne das Versprechen, gerne wiederzukommen.